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Von der Alamannensiedlung zum Industriepark

— Die Geschichte der Böllinger Höfe —

 

 

vor 800

Erstmals genannt wird Böllingen im Jahre 767, also zur Zeit der Karolinger und zwar unter dem Namen Bellingen und Billingen. Es ist der so genannte Lorscher Kodex, der uns davon berichtet.

Die „ Reichabtei“ Lorsch — bei Bensheim a. d. Bergstraße gelegen — war ein um 764 gegründetes Benediktiner Kloster, das in der Zeit Karls des Großen (um 800) seine Blütezeit erlebte. Es besaß zahlreiche Schenkungen in ganz Südwestdeutschland. Allerdings ging viel des Streubesitzes bald wieder verloren. Auszüge aus den alten Urkunden wurden im 12. Jh. abgeschrieben und diese Abschrift ist noch erhalten. (Bayer. Hauptstaatsarchiv München)In diesem Lorscher Kodex werden zahlreiche Gemeinden in unserem Raum — auch Böllingen — erstmals erwähnt.

Böllingen selber dürfte aber um einiges älter sein, denn es ist wohl eine alamannische Siedlung am damals Biberach genannten Böllinger Bach.

Da aus diesem Ort einige großzügige Schenkungen an das Kloster Lorsch gemacht werden, muss man von einem stattlichen Ort ausgehen.

 

823

wird in Böllingen eine St. Peter und Paul geweihte Kirche genannt, die südwestlich des heutigen Altböllinger Hofes stand im Gewann Küchen-, richtig Kirchenäcker (etwa dort, wo heute das Heim der Böckinger Pfadfinder steht).

 

15. - 17. Jh.

Den Ort Böllingen gibt es heute nicht mehr. Über sein Verschwinden wird vermutet, dass er teilweise schon in der Zeit der vielen Fehden im 15. Jh., endgültig wohl nach der „Schlacht von Wimpfen“, verlassen wurde (6. Mai 1622).

Von Böllingen sind bis zum heutigen Tag nur die Böllinger Mühle (ehem. Unterer Böllinger Hof) und der Altböllinger Hof (ehem. Oberer Böllinger Hof) erhalten geblieben.

Der Altböllinger Hof wurde mehrmals von schweren Bränden heimgesucht. So z.B. am 4., 6. und 15. Januar 1846 (Brandstiftung). Dann wieder im September 1886. Am 2. August 1921 brannten drei mit Getreide gefüllte Scheunen nieder.

 

 

 

1854/55

Der Neuböllinger Hof ist, wie der Name schon sagt, neueren Datums. Er entstand in den Jahren 1854/55 durch die Rodung des Böllinger Spitalwaldes. Seine Größe wurde damals mit 141 Morgen angegeben, was rund 50 ha entspricht.

Da aus jenen Jahren die Dokumentenlage gut ist, wissen wir, dass den Rodungskosten von 6000 Gulden 54.000 Gulden Gewinn für den Holzverkauf gegenüberstanden.

 

1991

Seit 1991 ist die Stadtgärtnerei im Neuböllinger Hof untergebracht.


Die Geschichte von Böllingen und den Höfen wäre nicht so interessant, wenn sie nicht zu Stiftungsgütern im angehenden Mittelalter und zum Industriepark am Ende des 20. Jh. geworden wären.

1306

Von Heilbronner Bürgern wurde 1306 das Hospital zu St. Katharina gestiftet, „zu armer Leute und siecher Menschen Pflege und Nahrung“

Solche Stiftungen waren damals üblich, denn schon damals gab es in den Städten viele soziale Probleme.

Da das Attribut (Zeichen) der Heiligen Katharina das gebrochene Rad war (vgl. Legende), begegnet uns noch heute dieses Symbol auf den Grenzsteinen der Böllinger Höfe, denn Böllingen war bis zur Einverleibung nach Neckargartach (1803) eine eigene Gemarkung.

 

1390

vermachte Göler von Ravensburg (Ravensburg bei Sulzfeld, Eppingen) die Hälfte von Böllingen dem Hospital.

 

1394

Vier Jahre später stiftet Hans Burger von Dinkelsbühl, ein Heilbronner Bürger, einen Hof in Böllingen dem Spital. Durch Landtausch und Zukäufe wird die Spitalstiftung später noch um einiges erweitert.

 

1430

kauft das Spital von Hans Erer, einem angesehen Bürger aus Heilbronn, um 1500 rheinische Gulden dessen Teil an der Markung Böllingen ab.

Die Einnahmen aus diesen Stiftungsgütern dienten zur Finanzierung des Spitals, das im alten Heilbronn dort etwa stand, wo die Kaiserstraße in die Friedrich-Ebert-Brücke übergeht.

 

19. Jh.

Anfang des 19. Jh. kam das gesamte Gelände als Stiftungsvermögen in das Eigentum der Stadt Heilbronn.

Der Reinertrag geht nun an das Städt. Sozialamt (früher „Fürsorgeamt“) und wird von diesem verwaltet und auch ausgegeben. (z.B. Zuschuss für Gaffenberg- und andere Freizeiten.)

 

20. Jh.

Die Böllinger Höfe werden dann im 20. Jh. weitgehend von der Zuckerfabrik bzw. der Südzucker gepachtet und bewirtschaftet.

Hier ein paar Zahlen aus dem Jahr 1976:
Altböllinger Hof   150 ha gepachtet seit 1866
Neuböllinger Hof   80 ha gepachtet seit 1913
Böllinger Mühle     46 ha bewirtschaftet seit 1969

Etwa 20 - 30.000 DM flossen als Erträge damals jährlich in die Kassen des Heilbronner Sozialamtes.

Die Höfe haben 1969 die Milchviehhaltung eingestellt, gelten aber als anerkannte Lehrbetriebe.

Angebaut wurden 1976:
150 ha    Getreide
50 ha      Erbsen, Bohnen und Spinat
l0 ha        Mais
75 ha      Zuckerrüben

Die knapp 300 ha werden von 6 Vollzeitkräften umgetrieben. Der Betrieb ist voll mechanisiert.

Nicht immer ging es mit so wenigen Arbeitskräften. Als z.B. der Dipl. Landwirt Dr. Ottmar Michel auf dem Gut Böllinger Mühle 1961 27 ha Bohnen anbaute, da wurden zur Ernte bis zu 200 Akkordarbeiterinnen aus Biberach, Kirchhausen und Bonfeld gebraucht.

Die 70er Jahre leiten für die Böllinger Höfe eine große Veränderung ein:
aus Ackerland soll Industriegebiet werden.

1974 zeigt ein Unterlandmagazin einen ersten Plan:

Die B 39 soll ab dem Neckargartacher Wald quer zur Neckartalstraße geführt werden und bei der damaligen Südmilch — unter Nordumgehung von Neckargartach und Frankenbach — in diese münden.

Ein Industriegebiet ist vor allem beim Neuböllinger Hof vorgesehen. Dafür sollten entlang der heutigen B 39 neue Wohngebiete entstehen.

Um das Stiftungsland in Industrieland umwidmen zu können, war man auf eine Genehmigung aus Stuttgart angewiesen. Diese wurde unter der Maßgabe erteilt, dass der Erlös ausschließlich sozialen Zwecken und Institutionen zuzuführen sei.

Ob das so geschehen ist, entzieht sich meiner Kenntnis.

Übrigens: Der Preis betrug damals DM 36/qm - es war ein politischer Preis.

 

© Heinz Schnotz,Heilbronn-Kirchhausen

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